Keplerschule Korb

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Evaluationsbericht Lernbegleitung

 

1. Gruppen-Interview:      Schüler Klasse 8 (3 Schüler/Innen) und

                                               Klasse 9 (4 Schüler/Innen)

 

Ergebnisprotokoll vom 13. Juli 2011

 

1.   Beziehung zu den Lernbegleitern:

     

            „Ich fühle mich von den Lernbegleitern akzeptiert und angenommen (sehr

            sogar)“

            „Die Gymnasiasten sind überhaupt nicht eingebildet, sie loben mich oft und

            sagen mir, dass ich nicht dumm bin, sondern mich nur nicht anstrengen

            würde und das stimmt auch so.“

            „Wir respektieren uns gegenseitig.“

        „Sie ist wie eine Freundin, wir kommunizieren auch in Facebook und wenn ich

            außerhalb der Lernbegleitungszeit eine Frage habe, hilft sie mir über das

            Internet.“

            „Wir reden auch über Probleme in der Schule und mein Lernbegleiter hat mir

            gute Tipps gegeben.“

            „ Wir sind wie eine Familie geworden und ich will auch nach meiner Schulzeit

            in der Keplerschule am liebsten weiterhin in die Lernbegleitung gehen.“

            „ Mein Lernbegleiter hat dieselbe Nationalität wie ich, er denkt sehr ähnlich,

            er kennt mich und meine Schwachstellen sehr gut und versteht mich.“

 

Die Äußerungen der Schüler zeigen, dass Beziehungen gewachsen sind, die sich sehr positiv auf die Lernatmosphäre auswirken. Dies ist auch dem Umstand zuzuschreiben, dass Frau Ruf auf die Wünsche der Schüler eingeht und solche Lernpaare bildet, die sich auch zwischenmenschlich gut verstehen. Probleme in diesem Bereich werden sehr zeitnah durch Gespräche mit den Betroffenen geklärt oder Lernbegleiter ausgetauscht.

 

2.   Das gemeinsame Lernen

 

            „ Durch das 1:1-Verhältnis traue ich mich mehr zu fragen als im Unterricht,

            außerdem haben sie sehr viel Geduld, mehr Geduld als es die Lehrer mit

            einer ganzen Klasse haben können.“

            „Im Unterricht geht es mir oft zu schnell; die Lernbegleitung ist da besser.“

            „ Wir arbeiten sehr intensiv; manchmal machen wir eine kurze Pause zum

            Erholen; aber danach arbeiten wir konzentriert weiter.“

            „ Weil die Lernbegleiter in meinem Alter sind, können sie mir den Lernstoff

            besser erklären als die Lehrer. (Sie erklären in meiner Logik)“

            „ Die Lernbegleiter loben mich oft und ich habe auch schon einmal einem

            Gymnasiasten bei einer Aufgabe helfen können.“

      „ Die Gymnasiasten wissen mehr und sind für uns Vorbilder. Sie spornen uns

            zum Lernen an.“

            „Wir reden auch über Probleme in der Schule und mein Lernbegleiter hat mir

            gute Tipps gegeben.“

            „Mein Lernbegleiter hat wie ich erlebt, wie es ist, wenn man aus einem

            anderen Land an eine deutsche Schule kommt. Er versteht mich deshalb              sehr gut.

 

Die Schüler der Keplerschule bewerten die Lernbegleiter als kompetente Lehrende. Besonders erwähnt wird der Sachverhalt, dass sich ein Lernbegleiter intensiv und geduldig um einen Lernenden kümmern kann und dies nicht nur in der Vermittlung des Stoffes, sondern darüber hinaus auch als Helfer bei persönlichen Problemen. Schön ist, dass es ein gegenseitiges Helfen ist und auch die Hauptschüler manchmal in die Rolle des Lehrenden schlüpfen. Äußerst positiv und für den Lernerfolg zuträglich wird empfunden, dass die Lehrenden nahezu gleichaltrig sind.

Zudem dienen die Treffen zum Abbau von Vorurteilen zwischen den unterschiedlichen Schularten.

 

3.   Der Lernerfolg

 

      „Ich wähle selber aus in welchem Fach ich Hilfe brauche. In Mathematik

      habe             ich mich um eine Note verbessert seit ich in die Lernbegleitung gehe.“

            „Ich bin eine zeitlang nicht mehr in die Lernbegleitung gegangen, dann bin

            ich wieder schlechter geworden.“

            „Meine Lernbegleiterin sagt mir, wenn ich mich in Deutsch falsch ausdrücke

            und so kann ich Fehler vermeiden.“

            „Mir fällt oft das deutsch Wort nicht ein. Mein Lernbegleiter spricht meine

            Muttersprache, so kann ich es ihm auf türkisch sagen und er sagt mir das

            deutsche Wort.“

            „ Ich habe mich im Lesen und in der Rechtschreibung verbessert.“

 

Ein Faktor des Lernerfolges ist sicher, dass jeder Schüler sich dort Hilfe holen kann, wo er selber bei sich Schwächen erkennt. Die Motivation für das Lernen wird dadurch erhöht und durch die Lernerfolge noch verstärkt.

Alle Schüler stellen bei sich eine Verbesserung fest. Bei optimaler Passung der Lernpaare ist die Arbeit hoch effektiv.

 

4.   Die Organisation

-          „Die Anzahl der Lernpaare pro Klassenzimmer (max. 6 Lernpaare) ist gut.“

-           

5.   Verbesserungsvorschläge

 

Ein Schüler erzählt, wie ein Lernbegleiter zu kompliziert, zu „gymnasial“ erklärt hatte, ein anderer, wie ein Lernbegleiter zu leise und zu schnell gesprochen hatte. In beiden Fällen wurde das Problem sofort von Frau Ruf gelöst.

 

Es wird gefragt, ob man das Zimmer mit seinem Lernbegleiter auch verlassen dürfe, wenn man für die Vorbereitung auf eine Klassenarbeit mehr Ruhe benötigen würde. Frau Ruf bestätigt, dass dies möglich sei.

 

„Manchmal wäre es gut von der Schule noch mehr Übungsaufgaben zu bekommen.“

 

      „Die Lernbegleiter sollen so bleiben wie sie sind.“

 

Als Ergebnis kann festgestellt werden, dass die interviewten Schüler mit der Lernbegleitung hoch zufrieden sind. Obwohl verschiedene Bereich angesprochen wurden, fielen den Schülern keine weiteren Verbesserungsvorschläge ein.

 

 

 

2. Gruppen-Interview:  Lernbegleiter (6 Lernbegleiter/Innen)

 

 

1.         Beziehung zu den Hauptschülern der Keplerschule:

           

            „Die Schüler sind freundlich und haben Respekt vor uns.“

            „Anfangs schämen sie sich für ihre Schwächen. Später haben sie so viel    

            Vertrauen, das offen zu fragen, was sie nicht verstehen.“

            „Mit der Zeit trauen sie sich mehr, wir reden am Anfang auch privat mit ihnen

            und so haben sie Vertrauen zu uns.“

            „Durch mein Alter (nur 2-3 Jahre älter) bin ich wie ein Freund für sie. Es ist eine

            richtige Beziehung zwischen uns entstanden. Wenn man jemand mag, dann

            lernt man mehr“

            „Mich hat erstaunt, dass die Schüler auch außerhalb der

            Keplerschule so offen auf mich zugehen.“

            „Wenn er es kapiert hat, dann ist es ein tolles Gefühl und dieses

            Erfolgserlebnis schweißt uns zusammen.“

            „Ich weiß jetzt, dass es ein Vorurteil ist, dass Hauptschüler keinen Wert auf

            Schule legen. Das stimmt gar nicht, die wollen lernen und können manches

            (z.B. Kopfrechnen) sogar besser als ich. Ich hatte noch niemanden, der     

            überhaupt nichts machen wollte.“

            „Wenn andere Leute negativ über die Hauptschule reden, sage ich ihnen,

            dass dies gar nicht stimmt.“

            „Die Schüler strengen sich richtig an, auch wenn es schwer wird.“

            „Ich bin froh, dass ich heute Kontakt zu Jugendlichen aus der Hauptschule

            habe.“

           

Die Lernbegleiter schildern, dass über das Lernen hinaus eine bereichernde Beziehung zu den Hauptschülern entstanden ist. Zudem gelingt es der Lernbegleitung Vorurteile gegenüber „den Hauptschülern“  in unserer Gesellschaft abzubauen und es entsteht eine Wertschätzung der Hauptschüler.

 

2.         Eins zu Eins – Betreuung durch einen „Jugendlichen Gymnasiasten“

 

            „Wir haben die Schwierigkeiten, die die Schüler gerade haben, selber erst

            vor kurzem durchgemacht. Ich sage ihm das und er merkt, dass ich es jetzt

            auch kann. Dann strengt er sich an.“

            „Von einem Jüngeren nehmen sie eher etwas an.“

            „Weil ich nur einen Schüler betreue, kann ich schnell herausfinden, wie ich es

            ihm am besten erklären kann. Ich erkläre es jedem Schüler anders; der eine

            braucht Skizzen, der andere braucht es, dass man es mit etwas aus dem   

            Alltag in Verbindung bringt oder anderen reicht eine Erklärung.“

            „Manche sagen, dass sie es eh nicht kapieren, dann lass ich ihn einfach vom

            Thema erzählen, lobe ihn und auf einmal will er Aufgaben lösen.“

            „Meinen Schüler habe ich durch einen Wettbewerb mit mir oder gegen

            andere Schüler aus der Gruppe motivieren können.“

            „Ich erkenne, dass sie es eigentlich können, oft fehlt es nur an ein paar

            Kleinigkeiten oder Blockaden und dann klappt es.“

 

Der Vorteil der Eins zu Einsbetreuung kommt in den Aussagen der Lernbegleiter deutlich zum Vorschein. Die Lernbegleiter nutzen diese Situation sehr gewissenhaft um individuell und überlegt auf jeden einzelnen ihrer Schüler einzugehen, was bei einem Gruppenunterricht sicher nicht möglich wäre.

Der geringe Altersunterschied fördert auf jeden Fall den Lernerfolg.

 

 

3.   Was die Lernbegleiter an der Arbeit schätzen

 

            „Durch die Arbeit lerne ich, andere Menschen zu verstehen. Ich überlege mir

            auch oft zu Hause, wie ich es ihm noch besser erklären könnte.“

            „Ich habe gelernt geduldig zu sein. Ich kann abwarten und gebe nicht auf.

            Ich lerne, wie ich bei anderen das Selbstvertrauen stärken kann.“

            „Ich lerne, wie ich anderen Wissen vermitteln kann.“

            „Ich wiederhole für mich Stoff, den ich teilweise selber schon wieder

            vergessen habe.“

            „Es macht mir Freude anderen helfen zu können.“

 

Neben der Verbesserung der Fachkompetenz durch das Wiederholen von altem Unterrichtsstoff, ist augenscheinlich, dass die Lernbegleiter einen hohen Zuwachs ihrer Sozialkompetenz feststellen. Geduldig sein, anderen ihr Selbstvertrauen stärken sind Fähigkeiten, die in jeder zwischenmenschlichen Beziehung eine Bereicherung darstellen.

Auch die festgestellte Steigerung ihrer Kommunikationsfähigkeit können die jungen Menschen in jeder Lebenssituation gewinnbringend nutzen

 

4.   Verbesserungsvorschläge

 

            „Lehrer sollen genauer sagen, was die Schüler in der Lernbegleitung          

            machen sollen.“

            „Lehrer sollen genauer vorgeben, welche Lösungswege sie haben wollen.

            Ich habe erlebt, dass ich einem Schüler etwas auf einem anderen Weg     

            erklärt habe, er es auch verstanden hatte und dann der Lehrer gesagt hat,

            er müsse es aber anders lösen.“

            „Die Schüler selber sollen Klassenarbeiten ankündigen und dann auch das

            passende Material dabeihaben.“

            „Die Lehrer sollen die Themen ankündigen, die in der Arbeit dran kommen.

            Dann kann ich mich auf die Lernbegleitung besser vorbereiten.“      

            „Manchmal wäre es gut noch weitere Übungsaufgaben zu haben.“

Der Kommunikationsfluss zwischen den Lehrern der Keplerschule und den Lernbegleitern hat Entwicklungsbedarf.

Fehlendes Lernmaterial und ein Aufgabenpool würde die Arbeit erleichtern.

 

 

Zusammenfassende Bewertung:

 

„Wir sind wie eine Familie“ – die Lernbegleitung der Keplerschule ist laut Aussagen der Jugendlichen ein Ort, an dem man sich gegenseitig akzeptiert und wertgeschätzt. In dieser positiven Atmosphäre lernt es sich gut.

Die Form der Eins zu Einsbetreuung hat einen vertrauensbildenden Einfluss auf der Beziehungsebene zwischen Lernendem und Lernbegleiter und schafft durch das vorbildliche Engagement der Lernbegleiter ein hohes Maß an Individualisierung des Lernprozesses.

Über den messbaren Lernerfolg der Hauptschüler hinaus, wirkt die Arbeit auch bestehenden Vorurteilen gegenüber der Hautschule entgegen.

Handlungsbedarf besteht bei der Einrichtung einer besseren Kommunikations-struktur und der Schaffung eines Aufgabenpools.